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    Heinz Helfgen 1910 -1990
Heinz Helgen beim Schreiben des VorwortsIch hatte das Glück, noch Heinz Helfgen kennenzulernen, der mit seiner Weltumradlung von 1951-53 Furore gemacht hatte. Als zu spät aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrter Journalist, der die Redaktionsstuben schon längst von glücklicheren Kollegen besetzt fand, war er am 3. September 1951 mit 3,80 DM in der Tasche auf einem geliehenen Fahrrad aufgebrochen, um seine Familie mit Zeitungsberichten von einer Weltumradelung zu ernähren.

Die Idee schlug bombig ein, und Helfgen wurde Deutschlands radelnder Auslandskorrespondent, der den in der Nazizeit von Informationen abgeschnittenen Nachkriegsdeutschen "das Fenster zur Welt" aufstieß! Seine Berichte - Lehrstücke des Journalismus der vor-Fernseh-Ära - waren spannend, kenntnisreich, immer wieder überraschend, so daß er schon nach wenigen Wochen ein Millionenpublikum faszinierte, das seinen 1-2 mal wöchentlich in der damals führenden Boulevardzeitung "Die Abendpost" erscheinenden Artikeln förmlich entgegenfieberte. Die 157 Folgen seiner Reisebrichte sind einsamer Rekord in der deutschen Zeitungsgeschichte.

Das Besondere an Helfgen war, daß er das Bild eines "guten" Deutschen in die Welt hinaus zu tragen - und im Gegenzug die weite Welt und die Verschiedenartigkeit ihrer Menschen der Heimat nahezubringen versuchte. "Helfgen in Hindustan" titelte die Abendpost, oder "Helfgen auf Tigerjagd mit dem Kaiser von Indochina". Ein Hauch von Karl May haftete diesem deutschen Weltumradler an, der sich als radelnder Reporter und zugleich Botschafter seines geächteten Landes verstand.

Der zweibändige Buchreport "Ich radle um die Welt", den Helfgen nach seiner glücklichen Heimkehr veröffentlichte, wurde mit einer Gesamtauflage von über 600.000 Exemplaren das mit Abstand erfolgreichste Fahrradbuch, das je in Deutschland veröffentlicht wurde. 

***

Ich hatte in meiner Kindheit zwar irgendwie den Namen Helfgen schon gehört, richtig auf ihn aufmerksam machte mich aber erst ein jugoslawischer "Gastarbeiter" in einer Frankfurter Kneipe. Ich hatte von meiner Radtour nach Griechenland erzählt, worauf er meinte: "Mußt Du Helfgen kennen!". Als er Ende der 1950er Jahre nach Deutschland gekommen war, gehörten nämlich die beiden Bände von "Ich radle um die Welt" zum Mobiliar seines möblierten Zimmers und er hatte damit Deutsch gelernt. Wie es der Zufall so wollte, erzählte mir einige Zeit später jemand, daß Helfgen im saarländischen Völklingen wohne. Bald war ein telefonischer Kontakt hergestellt und wenig später schwang ich mich aufs Rad und radelte ins Saarland. Das war 1988, als Helfgen bereits 78 Jahre alt war. Ich hatte ihm vorgeschlagen, seinen einstigen Bestseller noch einmal aufzulegen, wozu er nur allzu gerne bereit war. Bei unserem Treffen war Ralph Plum von der Bielefelder Verlagsanstalt mit von der Partie. Es war ein herrlicher Abend mit tollen Gesprächen. Als wir gingen, sagte Ralph Plum: "Der Mann braucht einen ordentlichen Vorschuß, sonst haben nur noch die Erben etwas von dem Projekt". Und diese großzügige Geste des Verlages sollte in der Tat dafür sorgen, daß Helfgen seine beiden letzten Lebensjahre in längst vergessener finanzieller Sorglosigkeit verbringen konnte. In unseren Telefongesprächen kam er immer wieder auf den Punkt zurück, daß Ralph Plum und der Bielefelder Verlag ihn aus den Nöten der Altersarmut gerettet hatten. 

In unseren Gesprächen kam Helfgen verschiedentlich auf den Grund zurück, weswegen er alle Fährnisse auf seinen Fahrten in die weite Welt so glücklich und ohne Blessuren bestanden habe. "Es ist die Liebe zu allen Menschen, die einem begegnen" war eines der Worte, die mir in Erinnerung geblieben sind. "Begegnet man den Menschen reinen, wohlwollenden Herzens, so kommt das auch wieder zurück." Helfgen war  Jesuitenzögling. Das habe ihn vor größeren Fehlern bewahrt. Er sei zwar schon 1928 der NSDAP beigetreten, das sei aber eher die Jugendsünde eines Achtzehnjährigen gewesen. Spätestens nach der Machtergreifung sei ihm die wahre Natur der Nazis bewußt geworden. Er zeigte mir einen Zeitungsausschnitt von 1934, in welchem ein gewisser Heinz Helfgen ziemlich unverblümt Kritik am mittlerweile herrschend gewordenen System übte. "Das brachte mir über ein Jahr Gefängnis ein und hat mich wohl auch die Teilnahme an der Berliner Olympiade 1936 gekostets." Helfgens Stärke war der Dreisprung gewesen, zudem war er ein im Saarland auch in den ersten Nachkriegsjahren noch recht bekannter Fußballer. Ironie des Schicksals: Ausgerechnet das Fahrrad war eigentlich nicht sein Lieblingsgerät. Er wählte es nur aus rein pragmatischen Gründen, um seine Idee des radelnden Reporters zu verwirklichen. Nach seiner Weltumrundung hat er es kaum noch einmal bestiegen - wohl aber mit 60 Jahren noch die saarländische Meisterin im 100-m-Lauf geschlagen!

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